Gutshof 19. Jh.                                                                                         (Quellle: Heimatmuseum Reinickendorf)

Geschichte des Hauses/ Gutshof

1375            Erwähnung des „Dalldorfer Kruges“ auf dem Dorfanger im Landbuch Kaiser Karls IV.

 

1450            Erstmalige Erwähnung im Schoßregister(Steuernachweis)

 

1590            Erstmalige Erwähnung im Erbregister von Spandau.

 

1590            Valtin FEUER  war der Wirt des Dalldorfer Kruges. Weiterhin war er Bauer und Heidereiter (Förster), zuständig für die Wälder des Kurfürsten zwischen Tegel und Hermsdorf.

 

ca. 1640      Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1638) wurde Heinrich FEUER als Krugbesitzer     bezeugt und ist damit die einzige Dalldorfer Familie, die den Krieg überstanden hat.
Heinrich FEUER übernahm den wüst liegenden Kossätenhof (Alt-Wittenau 66) und legte dort einen Garten an. Der Dorfkrug, der Bauernhof und der Garten wurden zusammen als „Kruggut“ bezeichnet.

 

Anf. 18.Jh.   Der Krug von Andreas WERNER ging in den Besitz des Spandauer Bürgers Thomas REINECKE über.

 

ca. 1750       Die Witwe des Tegeler Forstrates Heinrich THILO erwarb das Kruggut und verpachtete es.

 

ca. 1755   Der Pächter Jürgen SCHULTZE bewirtschaftete das Kruggut. Zu dieser Zeit ließ Frau THILO auf dem Gartengrundstück ein herrschaftliches Wohnhaus errichten.

 

1765         Nach dem Tod von Frau THILO verkauften die Erben das Gut an Generalmajor Graf von Wylich und Lottum (Kommandant der Residenz Berlin), der nun im Sommer hier wohnte. Den Krug ließ er vom Jäger PFAFF, das Land vom Meier TRÖNICKE bewirtschaften.

 

1786        Nach dem Tod vom Jäger PFAFF wurde das Kruggut von Albrecht Wilhelm von PANNWITZ erworben, königlich-preußischer Landrat des Kreises Niederbarnim, unter anderem Herr auf Hermsdorf, Schönfließ, Stolpe und Glienicke.

 

24.9.1796     Das Wohngebäude brannte bei einem Großbrand im Dorf ab.

 

bis 1810    Das Wohngebäude wurde danach neu errichtet (Fertigstellung 1810). Die alten Grundmauern sollten noch vorhanden sein. Es ist damit nach der Dorfkirche das älteste Gebäude in Wittenau.

 

um 1820      Der damalige Besitzer PLÖTZ  trennte den Dorfkrug vom Wohnhaus mit den dazugehörenden Ländereien (ca. 380 Morgen), die bis zur heutigen Seidelstraße reichten und verkaufte letztere später an den Amtsrat Gustav SEIDEL, Stadtverordneter in Berlin und Amtmann in Reinickendorf.

 

1869            SEIDEL verkaufte den größten Teil dieser Ländereien (ca. 280 Morgen) mit dem Wohnhaus an die Stadt Berlin, die auf einem Teil des Geländes die Dalldorfer Irrenanstalt bauen ließ. Das Haus Alt-Wittenau 66 wurde zum Gutshof der Anstalt bestimmt und diente dem Gutsinspektor als Wohnsitz. Von hier aus wurden die anstaltseigenen Äcker bewirtschaftet, die zwischen den heutigen Straßen Eichborndamm/ Hermann-Piper-Straße und Rathauspromenade lagen.

 

1886         Die Stadt Berlin lies hinter und neben dem Wohngebäude neue Stall- und Scheunengebäude errichten, die heute zum Teil noch erhalten sind.

 

1929              Der Gutshof wurde nochmals erweitert und hielt den Betrieb bis 1956 aufrecht.

 

1959-1980   Das Wohngebäude wurde für die Reinickendorfer Heimatschau genutzt, das spätere Heimatmuseum,das 1980 nach Hermsdorf umzog.  

 

seit 2009      Das Gutshaus wird vom Landhaus Schupke GmbH betrieben und seit 2011 saniert/ restauriert.

zusammengestellt von Burkhard Schulz

2012             Nominierung für den Bauherrenpreis 2012

 


 

Alt Wittenau 66:

Vor dem Dreißigjährigen Krieg stand hier ein Kossätenhof, der während des Krieges zerstört wurde. Danach wurde das Gelände des Hofes als Gartenland des Dorfkruges genutzt, bis die Forsträtin Thilo, die den Krug gekauft hatte, im Jahre 1753 hier ein herrschaftliches Wohnhaus errichten ließ. Am 24. September 1796 brannte das Wohnhaus ab, jedoch sollen die alten Grundmauern noch in dem heute vorhandenen Haus erhalten sein, das zu Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut wurde und damit das zweitälteste erhaltene Bauwerk Wittenaus nach der Dorfkirche ist.

Im Jahre 1820 trennte der damalige Eigentümer den Krug von den Ländereien, dem sogenannten Kruggut. Das Wohnhaus Alt Wittenau 66 ging zusammen mit den Ländereien, die sich süd-östlich des Dorfes und an der heutigen Seidelstraße erstreckten, später an den Amtmann Seidel über, der auch Stadtverordneter von Berlin und Besitzer des Berliner Börsenfuhrwesens war. Er veräußerte im Jahre 1896 282 Morgen für 35000 Thaler an die Stadt Berlin zum Bau der Städtischen Irrenanstalt (heute Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik) und behielt nur die restlichen 100 Morgen an der Tegeler Chaussee, deren Dalldorfer Teilstück nach ihm "Seidelstraße" benannt wurde.


Als die Stadt Berlin auf dem an die Reinickendorfer Grenze stoßenden Teil der Ländereien in den Jahren 1877 bis 1880 die Irrenanstalt errichtete, wurde das Wohnhaus mit dem Hof auf dem Grundstück Alt Wittenau 66 zum Gutshof der Anstalt bestimmt, von dem aus der anstaltseigene Acker zwischen den heutigen Straßen Eichborndamm/Hermann-Piper-Straße und Rathauspromenade bewirtschaftet wurde. Solange der Gutshofbetrieb bestand, wurden die auf dem Gutshof und dem dazu gehörenden Acker von leichter erkrankten Insassen der Irrenanstalt erledigt, die aus Gründen der Beschäftigungstherapie zu Handarbeiten eingesetzt wurden. Auf diese Weise konnte ein Teil der für die Ernährung der Anstaltsinsassen benötigten Nahrungsmittel wie Gemüse und Milchprodukte erzeugt werden. In jenen Jahren ließ die Berliner Stadtbauinspektion hinter und neben dem Wohnhaus neue Stall- und Scheunengebäude errichten, die noch heute teilweise erhalten sind. Noch im Jahre 1936 wurden auf dem Gutshof 30 Kühe, 140 Schweine und 4 Pferde gehalten.


Um 1940 war der Gutshof vom Abriß bedroht, weil der von Speer geplante "Vierte Ring" im Zuge des Eichborndamms über das Hofgelände verlaufen sollte. Der Krieg verhinderte die Ausführung. Bis 1956 wurde der Gutsbetrieb aufrechterhalten.


In dem Wohnhaus des Gutshofes wurde im Sommer 1959 die Reinickendorfer Heimatschau eingerichtet, die vorher in dem Schulgebäude am Eichborndamm untergebracht war und 1980 nach Hermsdorf umzog. Aus der Zeit der Heimatschau stammen noch die beiden im Jahre 1961 rechts und links neben der Haustreppe aufgestellten Mühlsteine der von 1875 bis 1928 bestehenden Heiligenseer Knochenmühle. Ebenso ist damals neben dem Hause an der Straße der sechseckige Wegweiserstein mit den Inschriften "Tegel 1 Meile" und "Oranienburg ... Meilen" aufgestellt worden, der 1983 restauriert wurde und eine Erläuterungstafel erhielt.

Auszugsweise aus: "650 Jahre Wittenau" - Festschrift, Autor: Klaus Schlickeiser